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Kevin Spacey. Richtige und falsche Worte in der Krise.

Kevin Spacey. Richtige und falsche Worte in der Krise.

Es läuft nicht gerade rund bei Kevin Spacey. Der begnadete Ausnahmeschauspieler erlebt derzeit einen Karriereabsturz und erfährt scharfe öffentliche Ächtung, nachdem Vorwürfe der sexuellen Belästigung öffentlich wurden. Dass es so weit gekommen ist, hat wohl in erster Linie mit seinem Verhalten im Umgang mit jungen und jugendlichen Männern zu tun. Gleichwohl hat er die Krise durch sein Agieren wahrscheinlich weiter verschärft. So haben viele seiner öffentlichen Kritiker insbesondere sein Twitter-Statement massiv beanstandet.

Was ist da schiefgelaufen? In jeder Krise ist gerade die erste Wortmeldung von zentraler Bedeutung. Sie setzt die Tonlage, steckt den Rahmen ab und kann den weiteren Verlauf – positiv wie negativ – beeinflussen. Gerade wenn die Umstände und der genaue Sachverhalt noch nicht klar sind, muss die Kommunikation die Balance finden zwischen einem juristisch unbedenklichen Statement, das die beklagte Person oder Institution nicht unnötig selbst belastet, und der Notwendigkeit, Empathie und Verständnis zum Ausdruck zu bringen. In Unternehmen ringen dann häufig Kommunikations- und Rechtsabteilung um jede Silbe.

Im Statement von Spacey scheint die Rechtabteilung obsiegt zu haben, zumindest lassen die zahlreichen Konjunktive darauf schließen. Man stelle sich eine solche Aussage vor dem Verkehrsgericht vor: „Herr Richter, wenn ich damals möglicherweise in betrunkenem Zustand das Auto des Klägers gerammt haben sollte, woran ich mich jedoch nicht mehr erinnere, dann würde ich dem Kläger eine Entschuldigung schulden.“ Das klingt doch sehr darauf bedacht, späteren Klagen den Boden zu entziehen. Nicht wissen ist besser als lügen und Trunkenheit wirkt sich oftmals strafmindernd aus. In Spaceys Statement mutet zudem der Nachsatz, dass der arme Junge sich über viele Jahre so grämen musste, eher jovial als mitfühlend und bewirkt einen falschen Spin.

Das klassische Statement in der Krise folgt dem Dreiklang „Concern, Action, Perspective“. Concern: Ich habe verstanden, dass es ein Problem gibt und fühle mit. Gegebenenfalls bedauere ich den Vorfall sogar. Action: Ich werde dieses und jenes umgehend unternehmen. Perspective: Und ich werde in Zukunft dafür Sorge tragen, dass sowas nicht mehr passiert.

Kevin Spaceys Statement hat schon bei Concern nicht wirklich den Ton getroffen und ist im Anschluss auch noch falsch abgebogen. Als Action dann das Coming Out zu bringen mit dem Hinweis, in Zukunft als schwuler Mann leben zu wollen, ist deplatziert und kann im Zusammenhang mit den vorangegangenen Ausführungen fast schon als Drohung verstanden werden. Der Bereich Perspective fehlt komplett.

Da Kevin Spacey durch den Erfolg von House of Cards so sehr mit der Rolle des Frank Underwood verbunden ist und die Serie, wie wir seit Kurzem wissen, auch viele autobiographische Elemente enthält (z.B. Kind aus prekären Verhältnissen, Rolle des gewalttätigen, rechtsextremen Vaters und die zahlreichen homoerotischen Avancen), meinen viele Kritiker in Spacey nun auch Charakter- und Winkelzüge der Hauptfigur zu erkennen. Das Outing wird als Ablenkungsmanöver und Agenda Shaping interpretiert à la „Claire, die Wiederwahl ist in Gefahr. Lass’ mal schnell einen Krieg vom Zaun brechen!“. Der Vorwurf ist möglicherweise unbegründet, aber Spacey hätte damit rechnen müssen.

Was hätte Spacey rückblickend zumindest kommunikativ besser machen können? Ich würde sagen: Weniger Winkeladvokaten-Sprech. Mehr echte Empathie und Demut, verbunden mit der Ankündigung, sich direkt mit Anthony Rapp in Verbindung zu setzen, und nicht nur via Twitter mit diesem zu kommunizieren. Nicht zuletzt hätte der ganze Themenkomplex „Coming out“ deutlich kürzer ausfallen müssen. Stattdessen hätte er Maßnahmen zur Verhaltensänderung und Eigentherapie ankündigen sollen („Perspective“). Dazu hat sich Spacey erst Tage später durchgerungen.