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DIE ROLLE VON DEUTSCHE UMWELTHILFE, STIFTUNG WARENTEST, ÖKO-TEST. WER KONTROLLIERT DIE KONTROLLEURE?

DIE ROLLE VON DEUTSCHE UMWELTHILFE, STIFTUNG WARENTEST, ÖKO-TEST. WER KONTROLLIERT DIE KONTROLLEURE?

NGOs erfüllen eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Sie weisen auf Missstände hin, erzeugen öffentliche Aufmerksamkeit für Themen und tragen so in der Regel zur Verbesserung politischer, ökonomischer oder sozialer Verhältnisse bei. Wie die Medien üben sie eine bedeutsame Kontrollfunktion aus. Wie diese sind sie nicht demokratisch – durch Wahl – legitimiert und ihre Mitgliederzahl ist im Vergleich zu ihrem Einfluss meist gering. Gleichwohl genießen sie gerade in Deutschland ausgesprochen hohes Ansehen und Vertrauen. Ganz oben stehen die Stiftung Warentest und Ökotest. Senken diese ihren Daumen über einem von ihnen getesteten Produkt, ist dieses quasi unverkäuflich. Noch schlimmer: Für die dahinterstehende Marke droht ein massiver Reputationsverlust. Da hilft dann oftmals nur noch der sofortige Rückruf.

Follow the money.

Aber was passiert, wenn NGOs ihre Macht missbrauchen? Und wer kontrolliert eigentlich die Kontrolleure? Rüdiger Soldt beschreibt in seinem sehr lesenswerten Artikel „Wie die Diesel-Jäger an ihr Geld kommen“ (FAS, 23.7.2017, S.2 bzw. online) die Arbeitsweise der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Im Kern des Geschäftsmodells der DUH steht das aggressive und höchstprofessionelle Abmahnen von Unternehmen aufgrund echter oder angeblicher Verfehlungen: „In der Praxis funktioniert das so: Wenn bei einem Autohändler ein Fahrzeug steht, dessen Energieverbrauchskennzeichnung nicht korrekt angebracht ist, verlangt die Umwelthilfe von dem Händler die Unterlassung der unzureichenden Kennzeichnung. Wenn der Händler die Unterlassungsverpflichtung eingeht, muss er zugleich versprechen, bei jeder abermaligen Zuwiderhandlung gegen die Verpflichtung eine Vertragsstrafe zu bezahlen. Die Umwelthilfe kontrolliert solche Verstöße mit einer kleinen Abteilung und einigen versierten Rechtsanwaltskanzleien in Berlin.“
Und weiter: „Das Brot-und-Butter-Geschäft sind Unterlassungserklärungen und Vertragsstrafen, die Umweltschützer sind dadurch finanziell in der Lage, Klagen gegen Landesregierungen oder Konzerne zu führen. Im Jahr 2014 nahm die Umwelthilfe mit den Verbandsklagen 2,32 Millionen Euro ein, das waren 1.265 Abmahnungen und 438 Gerichtsverfahren – insgesamt ein Drittel des Etats. Das Geld darf die Organisation behalten, weil sie für die Allgemeinheit klagt, nicht im Interesse einzelner Betroffener. Auch 2015 kamen 30 Prozent der insgesamt 8,1 Millionen Euro aus dem Bereich ‚Verbraucherschutz’. Die ‚Beiträge von Förderern und Paten’ betrugen dagegen nur 2,1 Prozent,“ so Soldt.

Klingt eher nach Russland-Inkasso als nach Naturschutzverein.

Nicht zuletzt wegen ihres wohlklingenden und soliden Namens wurde die Geschäftspraxis der DUH bisher kaum öffentlich hinterfragt. Rüdiger Soldt leistet mit seiner Recherche einen wichtigen Beitrag zu Debatte über Aufgaben und Grenzen von NGOs v.a. im Verbraucherschutz.

Im Zielradar von NGOs: was nun?

Was kann man Unternehmen zum Umgang mit Verbraucherschutzorganisationen raten? Grundsätzlich empfiehlt sich natürlich Offenheit sowie Dialog- und Kompromissbereitschaft. Bei der Mehrheit der NGOs fährt man mit dieser Strategie gut.

Es gibt jedoch Grenzen.
Gerade bei Organisationen wie der DUH ist die Bereitschaft zum Dialog meist eine Sackgasse. Deren Ziel ist nicht die Erarbeitung gemeinsamer Lösungen, sondern die Unterwerfung der betroffenen Unternehmen. Erhalten Unternehmen Post von der DUH, pendelt die spontane Reaktion zwischen dem instinktiven Wunsch, Dampf abzulassen und einen bösen Brief zu schreiben („Unverschämtheit!“) oder in den konstruktiven Dialog zu treten („Lassen Sie uns das doch mal besprechen!“), um das Problem zu lösen. Bei der DUH funktioniert, aus meiner Erfahrung, beides nicht. Bevor auf Schreiben der Organisation geantwortet wird, sollten sich die betroffenen Unternehmen juristischen und kommunikativen Rat holen – und wenn nötig auch den offenen Schlagabtausch und die Auseinandersetzung suchen.

Wie Ritter Sport. Dem Schokoladenhersteller war 2014 von der Stiftung Warentest vorgeworfen worden, den chemisch hergestellten Aromastoff Piperonal verwendet zu haben. Ritter Sport widersprach der Behauptung, verklagte die Stiftung Warentest – und bekam Recht. Für die Stiftung eine herbe Schlappe und für die Lebensmittelbranche ein bemerkenswerter Fall.

Die meisten Unternehmen haben im Umgang mit den Verbraucherschützern jedoch eine Beißhemmung. Zum einen fürchten sie Reputationseinbußen durch gerichtliche oder außergerichtliche Auseinandersetzungen. Zum anderen glauben sie, es sich mit den großen Produkttest-Organisationen nicht verscherzen zu dürfen, da man deren Gütesigel zu gerne im eigenen Marketing einsetzt. Die Testergebnisse werden von Verbrauchern – und Medien – meist unhinterfragt übernommen bzw. distribuieren die Tester ihre Ergebnisse via festen Kooperationen mit Publikumsmedien.

Manche Ergebnisse und die zur Anwendung gekommen Testkriterien sollten beim Leser jedoch ein Fragezeichen hinterlassen. Öko-Test setzt sich z.B. konsequent über europäische Grenzwerte hinweg und bringt eigene Grenzwerte zur Anwendung, die um ein Vielfaches unter den gesetzlichen liegen. Auch werden Testkriterien sehr unterschiedlich gegeneinander gewertet. Da Öko-Test v.a. das Thema chemische Zusammensetzung besonders am Herzen ist, zählt dieses Kriterium mehr als andere. So fällt ein Autokindersitz, der in Punkto Sicherheit mir „sehr gut“ bewertet wurde, bei den Inhaltsstoffen der Polster aber nur ein „ausreichend“ bekommt, automatisch auf die Gesamtnote „ausreichend“ zurück. Ein Kindersitz mit „ausreichend“ ist de facto unverkäuflich.

Es empfiehlt sich also als Verbraucher, die Aussagen der Verbraucherschützer kritisch zu betrachten. Und Unternehmen sollten, wenn es nicht vermeidbar ist, auch einmal in den Ring steigen und nicht bei der ersten Attacke klein beigeben.