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Die Berliner „Party-Polizei“ oder: feiern bis der Pressesprecher kommt

Die Berliner „Party-Polizei“ oder: feiern bis der Pressesprecher kommt

Berlin ist bekannt für seine bisweilen rustikale Art der Kommunikation. Die BVG pflegt dieses Klischee in ihrer aktuellen Social Media-Kampagne „Weil wir dich lieben“ und perfektioniert es bis zur humorvollen Publikumsbeschimpfung. Die Kampagne ist deshalb so erfolgreich, weil sie authentisch ist und gar nicht erst den Versuch unternimmt, irgendetwas ins positive Licht zu rücken.

Von dieser Art der Kommunikation scheint der Sprecher der Berliner Polizei inspiriert gewesen zu sein, als er zu den Vorwürfen gegen eine Berliner Hundertschaft („Party-Polizei“), die vorzeitig aus Hamburg zurückgeschickt worden war, in einem N24-Interview Stellung bezog. Thomas Neuendorf hat ebenfalls nicht den Versuch unternommen, etwas zu beschönigen. Im Gegenteil. Mit saftigen Kommentaren unterstrich er die Verfehlungen der Kollegen und befeuerte auch das Kopfkino der Zuseher: „Da kann man nicht wie irre feiern und in der Öffentlichkeit bumsen!“. Dadurch wirkt sein Statement authentisch und transparent.

Falsch verstandene Transparenz

Aber authentisch ist nicht automatisch smart. Und Kritik ungeprüft zu übernehmen, hat nichts mit Transparenz zu tun. Zu einem Zeitpunkt, als die beschuldigten Kollegen noch gar nicht die Möglichkeit hatten, zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen, wurden sie vom eigenen Sprecher gemaßregelt und vorverurteilt. Neuendorf machte sich die Anwürfe Dritter zu eigen, die er selbst nur vom Hörensagen kannte. Zitat: „Wir haben jetzt noch gar nicht die Details. Es soll Fotos geben, es soll Videos geben. (…) Wir haben Stellungnahmen angefordert, und dann wird es Konsequenzen geben.“

Wenn man keine Ahnung hat …

In einem anschließenden Facebook-Post gelingt es der Berliner Polizei, die Kuh etwas vom Eis zu ziehen, indem sie den Spekulationen entgegentritt und für Verständnis wirbt. Inzwischen sind die Umstände untersucht und die Fakten geklärt. Und es wurde deutlich, dass das Verhalten der Polizisten nicht „disziplinarwürdig“ war und es keinen Anlass gab „für Bewertungen, die im Zusammenhang mit Sexskandal oder möglichen Orgien stehen würden“. Es empfiehlt sich, in krisenhaften Situationen immer entlang der Fakten zu kommunizieren. Oder wie man in Berlin sagt: Wenn man keene Ahnung hat, einfach ma’ die Schnauze halten.