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Damnatio memoriae und was nun? Brand Recovery nach der Krise.

Damnatio memoriae und was nun? Brand Recovery nach der Krise.

Die alten Römer waren ja in vielem schon sehr fortschrittlich. Vieles was wir heute kennen, gab’s früher auch schon: fließend Warmwasser, moderne Infrastruktur, Trash-Unterhaltungsformate für die breite Masse. Und natürlich: die Damnatio memoriae, die Verdammung der Erinnerung, die umfassende Ächtung des Andenkens, die Abschaffung des Namens. Fiel eine bedeutende Persönlichkeit, zumeist ein Kaiser, posthum in Ungnade, so wurde mit höchster Akribie alles getilgt und ausgelöscht, was an ihn erinnern könnte. Münzen mit seinem Konterfei wurden eingeschmolzen, Büsten zertrümmert und sein Name aus Inschriften gekratzt.

Diese zweifelhafte Ehre wird nun – bereits zu Lebzeiten – Kevin Spacey zuteil. Bereits zugesprochene Emmys werden doch nicht vergeben. Aus der Oscar-Academy ist er raus. Netflix kappt alle Beziehungen zu dem Schauspieler, der maßgeblich für den Erfolg des Streaming-Dienstes verantwortlich war. Ridley Scott lässt ihn aus einer aktuellen Produktion herausschneiden und durch einen anderen ersetzen. Und sogar seine Agentur hat die Zusammenarbeit gekündigt. Das will was heißen! Wenn nicht mal mehr PR-Leute Geld von dir wollen, dann bist du echt ganz unten angekommen. Ironischerweise verstößt ihn jetzt das Publikum, das ihn gerade für seine diabolischen Rollen vergöttert hat, und die Unternehmen, die mit ihm groß und mächtig wurden.

Kevin Spacey ist jetzt mit seiner Marke da, wo Unternehmen nie sein wollen. Eine Paria-Brand. Reputation auf Ramsch-Niveau. Spacey ist derzeit die Griechenlandanleihe unter den Hollywood-Größen. Davon erholt man sich nicht mehr. Das war’s. Game over!

Könnte man meinen.

Die Erfahrung zeigt aber: Wenn die Krise am schlimmsten ist, ist genau der richtige Zeitpunkt, mit dem Wiederaufbau der Marke zu beginnen. Warren Buffett würde vielleicht gerade jetzt Spacey-Aktien kaufen.

Wie kann so ein Brand Recovery Program für geächtete Schauspieler aussehen? Wichtig sind m.E. nun drei Dinge: Demut. Demut. Demut. Kevin Spacey muss jetzt wirklich unmissverständlich klarmachen, dass er den Schuss gehört hat: Ich habe verstanden muss jetzt sein Mantra sein. Er muss natürlich zuallererst seinen Schaden wiedergutmachen. Gerichtsverfahren durchstehen. Entschädigungen zahlen. Eine Therapie machen. Schuld abtragen. Und dann muss er für mehrere Jahre raus aus der Öffentlichkeit. Vielleicht unter falschem Namen und mit Bart als Perlentaucher in Neuguinea. Oder Holzhacken in Nord-Kanada. Sowas in der Art.

In dieser Zeit sollte er vielleicht ein Buch schreiben. Zeugnis ablegen. Sich mit seinen Dämonen befassen. Und erklären – und beweisen! – warum er nun geläutert ist, ein besserer Mensch. Dass er ein soziales Projekt unterstützt. Irgendwann ist die Zeit reif für ein erstes Interview, das den geläuterten Kevin Spacey in seinem Block-Haus in Manitoba porträtiert, wo er zu sich gefunden hat und sein Essen selber angelt.

Wenn er sich dabei besser anstellt als zu Beginn der Krise, hat er eine gute Chance auf gesellschaftliche Rehabilitation; gerade in der amerikanischen Gesellschaft, die mit Scheitern anders umgeht und reuige Sünder wieder aufnimmt – wenn sie Buße getan haben. Dann kann er vielleicht damit beginnen, an einem Provinztheater zu spielen, um am Ende wieder den Weg nach Hollywood zu finden.

Die Strategie des temporären Rückzugs aus der Öffentlichkeit hat auch Karl-Theodor zu Guttenberg gewählt, der sich nach seinem Dissertations-Desaster erstmal nach Long Island zurückzog. Für meinen Geschmack zu früh, hat er dann jedoch wieder rasch öffentliche Auftritte als Distinguished Statesman gesucht – was immer das sein soll. Das wurde ihm als Eitelkeit ausgelegt und hat dazu geführt, dass er zwar inzwischen wieder als Kandidat für ein öffentliches Amt ins Gespräch gebracht wird, aber so ganz hat man ihm noch nicht verziehen. Die Demut und Läuterung kauft man ihm nicht wirklich ab.

Kevin Spacey wird das besser gelingen. Er ist immerhin ein begnadeter Schauspieler.